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Home-Office – ein rückläufiger Trend?

Home-Office – ein rückläufiger Trend?

„Wir sehen uns im Büro – oder gar nicht“: IBM streicht Home-Office

Erst Yahoo, dann IBM – das Ende des Home-Office hat begonnen, hallte es in den sozialen Medien. Große Firmen wie Yahoo und IBM wagen den ersten Schritt! Gehört das Home-Office wirklich bald der Vergangenheit an?

IBM ist nicht nur Pionier im Computergeschäft, das Unternehmen hat bereits sehr früh seinen Mitarbeitern ermöglicht, von zu Hause aus arbeiten zu können. Nach mehreren Jahrzehnten werden nun alle Home-Office-Nutzer wieder ins Büro zurückgerufen. Der einstige Verfechter dieses Modells verweist darauf, dass eine Rückkehr ins Büro die Zusammenarbeit stärken sowie die Geschwindigkeit und Leistung erhöhen wird.

Der Argumentation von IBM folgend erscheint es schon ls verwunderlich, dass so viele Firmen mit Home-Office-Arbeitsplätzen werben. Auch die Statistik des IT-Industrieverbands Bitkom bestätigt, dass die Nachfrage nach Home-Office Plätzen nach wie vor steigt.

Bei den Unter-40jährigen ist die Möglichkeit für Home-Office entscheidend bei der Wahl ihres Arbeitgebers. (Quelle: Bitkom)

Laut Bitkom ist es für mehr als der Hälfte der 30- bis 39-Jährigen beim Wechsel des Arbeitgebers besonders wichtig, dass sie im Home-Office arbeiten können. Das ist ein deutlich höherer Wert als in allen anderen Altersgruppen, was auf die familiäre Situation dieser Altersgruppe zurückzuführen sein dürfte.

Gibt es zum Thema Home-Office überhaupt eine richtige Lösung?

Eine sehr schwierige Frage, denn es gibt viele Argumente, die dagegen, aber auch einige, die dafür sprechen!

Dagegen: „Viele Berufe erfordern Kommunikation – face to face“

Sicher, Meetings können nervig sein. Aber viele Ziele sind einfach nur im Team zu erreichen. Ohne die Kommunikation mit Kollegen fehlt der spontane Austausch und damit eine wichtige Quelle der Kreativität. Wer ein Problem lösen muss, dem hilft gemeinsames Brainstorming oft schneller als stundenlange Fachlektüre. Der kleine Schwatz mit dem Kollegen vom anderen Stockwerk kann die entscheidende neue Idee bringen. Das lässt sich durch Telefonieren und E-Mails nur bedingt ersetzen. Es fehlt die zufällige Interaktion!

Im Gegensatz zu IBM und Yahoo sind Firmen wie Microsoft und Coca-Cola große Fürsprecher fürs Home-Office. Dennoch halten diese Unternehmen Ihre Mitarbeiter dazu an, den persönlichen Austausch mit Kollegen intensiv zu pflegen. Dabei muss jeder Mitarbeiter von Fall zu Fall entscheiden, ob er eine Aufgabe zu Hause erledigen kann, oder ob bestimmte Absprachen seine Anwesenheit im Büro erfordern.

Dagegen: „Allein zu arbeiten ist nicht jedermanns Sache“

Einsamkeit und fehlender Austausch sind Faktoren, die bei der Wahl des Arbeitsortes oft nicht bedacht werden. Eine Vielzahl der Berufstätigen in Deutschland gibt an, dass sie sich im Home-Office einsam fühlen. Gerade die Inspiration und der Austausch mit Kollegen und anderen Fachkräften fehlen in den eigenen vier Wänden.

Nicht zu verharmlosen ist auch die steigende Antriebslosigkeit nach einiger Zeit am heimischen Schreibtisch. Viele Home-Office-Nutzer berichten, dass sie konkret Termine vereinbaren müssen, um mit der richtigen Energie bei der Sache zu sein. Diese Faktoren gehen auch an anderen Familienmitgliedern nicht spurlos vorüber. Werden E-Mails im Pyjama vom Wohnzimmersofa aus beantwortet, leiden Stellenwert und Ansehen der Arbeit bei den Angehörigen. Es ist deshalb oft wichtig für Fachkräfte, am Morgen aus dem Pyjama und aus dem Haus zu kommen.

Dagegen: „Home-Office – ein 24-Stunden-Job?”

Unzählige Menschen, die daheim arbeiten, verlieren den Überblick darüber, wie viel sie arbeiten. So stellte eine aktuelle Studie des US-Arbeitsministeriums fest, dass Angestellte im Home-Office pro Woche fünf bis sieben Stunden mehr arbeiten als ihre Kollegen im Büro. Mitarbeiter im Home-Office stehen unterbewusst ständig unter Druck, Arbeitszeiten auf Kosten der Freizeit zu verlängern.

Aufgrund der meist fehlenden Trennung zwischen Arbeit und Freizeit neigen Arbeitnehmer zudem oft dazu, nicht abschalten zu können und die Arbeit immer im Hinterkopf zu haben. Meist lassen dadurch Konflikte zwischen Job und Familie selten auf sich warten. Nicht selten kommt es auch zu gesundheitlichen Problemen wie extremen Schlafmangel, Migräne und auch hohen Blutdruck.

Geregelte Arbeitszeiten sind ein Muss für beide Seiten. Denn feste Arbeitszeiten erleichtern dem Mitarbeiter, eine gewisse Routine beizubehalten und helfen ihm, nach Feierabend leichter einen Schlussstrich zu ziehen

Dagegen: „Home-Office muss nicht immer eine kostengünstige Lösung sein“

Der größte Home-Office-Anteil entfällt auf Firmen mit 500 und mehr Mitarbeitern oder auf Firmen mit einer sehr dezentralen Struktur. Meist kämpfen vor allem diese Unternehmen um die wenigen verfügbaren talentierten Mitarbeiter. Zudem sind sie meist standorttechnisch weit verzweigt und müssen den großen Flächenbedarf für ihre Büros in den Ballungszentren finanzieren.

Bei kleineren Unternehmen oder Firmen, die zentral organisiert sind, spielt der Flächenbedarf oft eine deutlich kleinere Rolle, sodass diese Unternehmen dann vor allem die höheren Kosten für IT-Sicherheit, Datenschutz und die dazugehörige Administration, die ein standortunabhängiges Arbeiten möglich machen, einsparen können.

Grundsätzlich haben alle Unternehmen, egal ob sie Home-Offices tolerieren oder nicht, die Aspekte des Gesundheitsschutzes einzuhalten. Dazu gehören ergonomisch passendes Mobiliar, eine angemessene Größe des Arbeitsraumes oder die Vorgaben für eine ausreichende Beleuchtung. Diese Richtlinien sind gesetzlich auch im Home-Office zu berücksichtigen, inklusive der Pflicht zur Durchführung notwendiger Arbeitsmittelüberprüfungen.

Dafür: „Endlich keine langen Arbeitswege und kein Stundenlanges Pendeln mehr“

Viele Menschen in Deutschland pendeln jeden Tag zur Arbeit, stehen stundenlang im Stau und sitzen in überfüllten Zügen fest. Für viele ist nichts frustrierender, als jeden Tag mehrere Kilometer ins Büro pendeln zu müssen. Der tägliche Weg zur Arbeit ist eine der größten Quellen von Stress, und das leider schon bevor der Mitarbeiter mit seiner eigentlichen Aufgabe begonnen hat.

Warum also nicht gleich daheim bleiben und sich mit der frei gewordenen Energie den Herausforderungen des Berufs widmen? Ist ja auch viel besser für die Umwelt.

Dafür: „Weniger Ablenkung durch Kollegen“

Kollegen, die laut telefonieren, dringende Hilfe mit dem neuen Computersystem brauchen oder sich über das Fußballspiel von gestern unterhalten wollen, solche Störfaktoren gibt es im Home-Office nicht. Da sinnlose Besprechungen, unnötige Telefonate oder ausufernde Kollegengespräche kaum möglich sind, können Beschäftigte in den eigenen vier Wänden schlichtweg konzentrierter und effektiver arbeiten. So haben Forscher der Universität Stanford in einem Versuch 255 Angestellte ins Homeoffice geschickt und ihre Arbeitsleistung untersucht. Das Ergebnis: Die Mitarbeiter, die von zu Hause aus arbeiteten, erhöhten ihre Produktivität um 13 Prozent. Sie waren seltener krank, legten weniger Pausen ein und schafften ein größeres Arbeitspensum als vorher.

Dafür: „Privates und Arbeit lässt sich im Home-Office leichter verbinden“

Viele Angestellte mit langen Arbeitstagen beklagen, dass sie „sonst zu nichts kommen“. Will sagen Einkaufen, Wäsche waschen oder mal das Fahrrad reparieren müssen am Wochenende stattfinden, weil der Betreffende zwischen Montag und Freitag nur zur Arbeit fährt, arbeitet, heimfährt, isst, schläft, aufsteht … etc.

Im Home-Office lässt sich zwischendurch mal eine Maschine Buntes anschmeißen oder ein Brot kaufen. Und wer nachmittags lieber mit seiner Tochter spielt, setzt sich eben Abends nochmal zwei Stunden an den Computer. Somit kann auch Frau Kariere, Kinder und Haushalt unter einen Hut bringen.

Dafür: „Mehr Motivation im Home-Office“

Kontrollzwang und Misstrauen demotivieren. Wer im Home-Office sitzt, kann selbstbestimmter Arbeiten oder er empfindet es zumindest so. Das erhöht die Motivation, was dringend nötig ist: Laut einer Gallup-Umfrage haben 24 Prozent aller beschäftigten in Deutschland bereits innerlich gekündigt, 61 Prozent machen Dienst nach Vorschrift. Verantwortlich für diese Abgestumpftheit ist laut Gallup in aller Regel der direkte Vorgesetzte. Und den sieht man im Home-Office ja nicht…

Fazit: „Mobiles Arbeiten muss gestaltet werden“

Das Arbeiten im Home-Office hat also zwei Seiten, eignet sich nicht für jeden und sollte unbedingt vom Unternehmen mit Fortbildungsmaßnahmen begleitet werden. Zudem muss die Infrastruktur im Unternehmen vorhanden sein, um die räumlich getrennten Mitarbeiter gut zu koordinieren, sonst leidet die Produktivität.

Damit mobiles Arbeiten tatsächlich ein Gewinn für die beide Parteien ist, müssen Rahmenbedingungen dafür geschaffen werden. Wichtig ist, dass Home-Office immer freiwillig sein muss. Es sollte nicht als Gegenmodell zum herkömmlichen betrieblichen Arbeitsplatz, sondern als flexible Ergänzung gesehen werden, damit der direkte Kontakt und Austausch unter den Kolleginnen und Kollegen nicht leiden.

Und natürlich muss die Verantwortung der Arbeitgeber für den Arbeits- und Gesundheitsschutz auch im Home-Office gewährleistet sein.